Bei wunderschönem Winterwetter – also intensivem Schneefall und Nebel – fand heute im Berchtesgadener Land der Jennerstier statt, ausgetragen sowohl als DAV-Skitourencup und AUSTRIA SKITOUR CUP Rennen als auch als Deutsche Meisterschaft im Einzelbewerb. Wie gewohnt ließ sich die Mannschaft rund um Organisator Richard Lenz aber von dem Wetter nicht einschüchtern. Und der 17-jährige Toni Palzer zeigte allen, wo die Zukunft des deutschsprachigen Skitourensports liegt.
Am morgen gab’s in Berchtesgaden erst einmal gespannte Gesichter. Der Neuschnee der vergangenen Nacht stellte die Originalstrecke im Spinnergraben in Frage. Die Abfahrt im freien Gelände war zu prüfen, zu gefährlich war die Situation der vergangenen Woche rundum. Nach einer Besichtigungsfahrt der Organisatoren um 8:00 Uhr morgens konnte aber klare Entwarnung gegeben werden, der Spinnergraben wurde eindeutig freigegeben, und damit war die Originalstrecke offen.
Die zweite Sorge der Organisatoren vor dem Start, nämlich dass viele Athleten wegen der schlechten Straßenverhältnisse ausbleiben würden, bewahrheitete sich allerdings dann schon: von den etwa 140 erwarteten Teilnehmern kamen rund 30 nicht, viele Namen mussten von der provisorischen Startliste gestrichen werden. Etwa 110 wasserdichte Sportler waren es dann schließlich, die mit leichter Verspätung auf die Strecke geschickt wurden. Übrigens unter den strengen Augen von Jean-Claude, dem französischen Beobachter der ISMF – der Jennerstier möchte 2011 nämlich als ISMF-Homologated Race im internationalen Kalender aufscheinen.
Der erste Anstieg, der sowohl für die kurze, als auch die lange Strecke gleich war, stand im Zeichen des vollen Angriffs. Druck machte vor allem der junge Toni Palzer, der eigentlich beim Weltcup in Gastlosen sein sollte, mangels Teampartner aber daheim blieb. Toni hatte eine interessante Ansage gemacht: er startete bewusst auf der langen Strecke (ohne Jugendklasse!), riskierte, nicht gewertet zu werden, und wollten den „Alten“ etwas vorlegen. Beim Durchgang an der Mittelstation lag der Südtiroler Paul Innerhofer (Skimountain Sand Taufers) knapp voran, den Jungspund Toni (SK-Ramsau) auf den Skienden. Das flotte Dreierpaket rundete Markus Stock (Hagan-Martini-Rennteam) ab. Danach ging es Schlag auf Schlag, praktisch die gesamte Deutsche Nationalmannschaft drückte voll aufs Tempo. Noch vor dem ersten Gipfelanstieg knickte Innerhofer schließlich ein und musste seine Verfolger Stückchenweise ziehen lassen. Auf der ersten Abfahrt, auf der Jagd nach dem immer noch führenden Palzer, brach Markus Stock sein Schuh, er kämpfte dennoch weiter und konnte die Wechselzone zum letzten Anstieg mit Respektvorsprung auf Martin Echtler und Konrad Lex verlassen. Palzer stieg auf wie eine Rakete, er sah seine Chance kommen, das Rennen zu gewinnen! Stock als Verfolger hatte ein zweites Mal Pech, ein verlorenes Fell kostete ihn den 2. Platz auf den im letzten Anstieg explodierenden Konrad Lex. Diese Reihenfolge war es schließlich, die auch im Ziel überraschte: der 17-jährige Toni Palzer gewann mit fast 3 Minuten Vorsprung jubelnd den Jennerstier und damit den Deutschen Meistertitel im Induvidualrennen. Den zweiten Platz belegte der amtierende Deutsche Meister Vertical, Kondrad Lex. Und als Dritter ging der erste Österreicher, Markus Stock, ins Ziel.
Die Damenentscheidung war mit einer überragenden Babs Gruber (Team Alpenstoff) wesentlich weniger dramatisch, mindestens aber so erfreulich. Babs konnte Ihren Vorsprung von Anfang an aufbauen. Die bis vor kurzem noch deutliche Abfahrtsschwäche von Barbara konnte heute kaum bemerkt werden, und aus einer hervorragenden Gesamtleistung resultierte schließlich ein 12-minütiger Vorsprung auf Claudia Till (Team Steigenberger) und weiteren 3 Minuten auf Lakalmatadorin Judith Grassl (SK Ramsau).
Klasse war neben den Leistungen der arrivierten Spitzenathleten vor allem heute die Leistung der jungen. Trotzdem viele der guten Nachwuchsathleten beim Weltcup in Gastlosen sind, traten 9 Teilnehmer in den Jugendklassen an und zeigten gewaltige Leistungen. Schön, dass da was weitergeht!
Interessanterweise war das Rennen heute übrigens auch die Belgische Meisterschaft im Skibergsteigen mit 4 Teilnehmern, die Meister heißen bei den Damen Anouk Doore und bei den Herren Gauthier Masset.
Die Siegerehrung in Schönau konnte dann schließlich (nachdem auch Matthias Keller trotz im Schneechaos versenktem Teambus angekommen war) auch mit der Moderation durch die Stimme des Skitourensports Josef Moser durchgeführt werden….die Verschiebung der Zeitzonen zwischen Berchtesgadener Land und Tirol führte zu einem kleiiiinen Missverständnis im Terminkalender von Josef :-)
Das Resümee des Rennens ist ein durchaus positives…trotz Sauwetter wurde die Aufgabe bravourös gemeistert, ein Meisterschafts-würdiges Rennen ins Gelände zu bringen. Ausreichend Personal und eine kompetente Alpinmannschaft gewährleisteten einen runden Ablauf. Der Jennerstier ist – auch durch die dankenswerte Unterstützung durch die Jennerbahn – die Spitze der deutschen Rennen. Wir sind stolz, dass der Jennerstier auch 2011 wieder im ASTC sein wird!