Michi Essl, eine der derzeit erfolgreichsten Damen im internationalen Wettkampf Skibergsteigen
Auf dem Weg zur zweiten Silbernen bei der EM
MIchi am Potest der EM
Und dann war sie bei der EM auch schon nur mehr von hinten zu sehen, weil so schnell...
Michi mit Nationalteamkollegin Lydia Prugger, so sieht gute Freundschaft unter Wettkämpfern aus
Michi als die frisch gebackene Österreichische Meisterin neben Steffi Koch und Lydia Prugger
24h Rennen in Gastein: Michi mit Teamkollegen nach den grandiosen Erfolg
Eine Fahrt ohne Kompromisse auf das...
...Siegerpotest beim Weltcup Rennen in Pyramide 'd Oz
Interview mit Michaela Essl, der zweifachen Silbermedaillengewinnerin der EM und Österreichischen Meisterin Single 2009 Von: Anna Spielbüchler 13.03.2009 Kommentar verfassen | Weitersagen Bewerten:
Während der Europameisterschaft wurde sie vom Teamleiter Karl Posch immer liebevoll als „Silbermichi“ bezeichnet, denn bei den Bewerben im Tambre/Italien letzte Woche hat sie nichts anbrennen lassen und kam mit zwei Silbermedaillen in ihrer Klasse zurück nach Abtenau in Salzburg. Zweimal nur geschlagen von der derzeit unglaublich starken Spanierin Mireia Miro im Vertical Race und im Single Race. Voriges Jahr erst bei den ersten Rennen aufgetaucht ist Michaela Essl heute aus der Szene des Wettkampf-Skibergsteigens nicht mehr wegzudenken und hat sich als eine unserer besten Athletinnen und Athleten international bereits bestens etabliert und gezeigt, zu welchen Erfolgen Österreich fähig ist.
ASTC: Michi, zuerst einmal herzliche Gratulation zu deinen zwei Silbermedaillen bei der EM. Was war deine erste Reaktion bei der Zieleinkunft? Essl: Beim Vertical Race, war ich zuerst einmal richtig froh, als ich endlich dass Ziel erreicht hatte, da dieses Rennen ein ziemlicher Sprint war und ich eher die längeren Strecken bevorzuge. Als ich es schließlich realisierte, dass ich eine silberne gewonnen hatte, war ich natürlich überglücklich, dass ich mir bereits beim Ersten Rennen der EM eine Medaille sichern konnte. Beim zweiten Rennen, war die Freude natürlich doppelt so groß, da ich mein Ziel, die zwei Silbernen nach Hause zu bringen, erreicht hatte. Was mich im Ziel immer besonders freut ist, dass sich auch alle anderen so wahnsinnig mit mir freuen können.
ASTC: Welche Gedanken laufen einem während eines solchen wichtigen Rennens durch den Kopf Essl: Beim Vertical Race dachte ich mir immer nur hoffentlich überholt mich keine andere aus der Espoir Wertung, da ich im Vorhinein nicht wusste wie stark meine Konkurrenz sein wird. Beim Einzel Rennen hoffte ich dass ich meine Platzierung so gut wie möglich verteidigen kann um so die Woche mit einer weiteren Medaille gut ausklingen lassen zu können. Weiters denke ich bei den Rennen immer wieder an das schöne und glücksüberströmte Gefühl, welches einem im Ziel überkommt. Ich hatte bei beiden Rennen das Glück in guter Form zu sein und somit hatte ich unter den Rennen nie dass Gefühl der totalen Erschöpfung oder Müdigkeit. Auch die gute Zusprache vom restlichen Team während des Rennens baute mich innerlich immer wieder auf. Ansonsten versucht man einfach das Tempo mitzuhalten und alles zu Geben was in einem steckt.
ASTC: Wie fühlt man sich dann während der Siegerehrung auf dem Podest? Essl: Ich war richtig stolz auf mich, dass ich die erhofften Medaillen nun auch nach Hause bringe. Weiters fühlt man sich richtig geehrt, dass man bei einer solchen Veranstaltung auf das Stockerl kommt. Obwohl es „nur“ die Espoir Klasse ist, weiß ich, dass ich noch einiges dazu lernen muss und auch noch so einiges trainieren muss, um wirklich bei den Großen mitmischen zu können. Da erst dann die Medaillen eine wirklich große Bedeutung haben. Naja, mal schauen was die Zukunft so mit sich bringt. Auf jeden Fall freue ich mich wahnsinnig über meine zwei Silbernen.
ASTC: Geschlagen wurdest du in deiner Klasse nur durch die Spanierin Mireia Miro. Wie schätzt du ihre Stärke ein? Essl: Eins ist klar, Miro ist eine Klasse über mir und ich habe zurzeit keine Chancen gegen sie. Dies kommt wahrscheinlich davon, dass in Spanien der Sport einfach viel mehr gefördert wird und der Sport ihre Hauptbeschäftigung ist. Bei uns in Österreich ist es immer noch unser Hobby. Man darf nicht vergessen, dass ich neben dem Sport noch die Polizeischule zu absolvieren habe, welche ich auch 40 Stunden die Woche besuchen muss.
ASTC: Wie findest du die Person Mireia Miro? Essl: Miro selbst ist eine wirklich sympathische Sportlerin, ich denke wir könnten uns über so einiges Unterhalten, wäre nicht die Sprache das Problem.
ASTC: Wenn du noch einmal in Gedanken bei der EM in Italien schwelgst: wie war der Gesamteindruck dieses Bewerbes für dich? Essl: Für mich war es eine total entspannende Woche, außer den zwei Rennen natürlich. Die Stimmung im Team war wieder einmal, wie auch die letzten Male, richtig gut. Meiner Meinung nach war die EM richtig gut organisiert. Auch am Abend wurde für Stimmung gesorgt und somit musste ich natürlich den Erfolg meiner ersten Medaille im Partyzelt feiern. Auf jeden Fall kam ich entspannter von der Woche nach Hause als ich es vorher war. Ich betrachte diese Ausflüge zu den Weltcups oder dieses mal zur EM immer als meinen sogenannten Urlaub.
ASTC: Nun wieder auf dich zurückkommend: du hast dich ja nicht nur bei der EM bestens geschlagen, es waren deine gesamten Ergebnisse in dieser Saison hervorragend, egal ob bei Weltcup oder nationalen Rennen. Zwischenzeitlich betrachtet haben dir welche davon viel bedeutet und warum? Essl: Für mich war bis jetzt jedes Rennen dieser Saison ein Erfolg egal ob ich den ersten, zweiten oder dritten Platz belegte. Das schönste Erlebnis war für mich wohl die Knappen Trophy, wo ich mir den Österreichischen Meisterschaftstitel holen konnte, da ich absolut nicht damit gerechnet hatte. Ebenso ein Highlight dieser Saison sind wohl meine beiden Silbernen der EM.
ASTC: Wenn du ein gesamtes Rennen betrachtest mit Aufstieg, Wechsel, Abfahrt, wo liegt deine Stärke und warum? Essl: Meine Stärken liegen sicher im Aufstieg. Probleme habe ich immer noch in den Abfahrten und den Wechselpassagen. Jedoch habe ich mich bereits in dieser Saison schon deutlich verbessert und mit etwas Übung, Zeit und vielleicht noch mehr Tipps vom Trainer und der restlichen Mannschaft, werde ich auch diese Schwächen hoffentlich einmal zu Stärken umwandeln können. Denn was noch nicht ist kann ja noch werden.
ASTC: So lange bist du ja noch nicht im Renngeschehen, deshalb auch noch eine ganz allgemeine Frage an dich: erzähl uns ein bisschen über die Person Essl Michaela: Wie kommt eine junge Frau wie du zu dieser Ausdauersportart? Essl: Sport hat mich schon immer fasziniert. Bereits als Kind haben mich meine Eltern zu aufregenden Bergtouren mitgenommen und somit dauerte es nicht lange, bis ich mir ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen konnte. Heute würde ich es schon fast als Sucht beschreiben, denn ein Tag ohne Sportliche Betätigung ist für mich wohl dasselbe, wie für einen Raucher ein Tag ohne Zigaretten. Einen Unterschied gibt es jedoch, meine Sucht hält mich gesund und fit!!
ASTC: Wie verlief dein sportlicher Werdegang bisher? Essl: Für meinen sportlichen Werdegang, spielte wohl das Jahr 2008 eine bedeutende Rolle. Voriges Jahr bestritt ich durch meinen Papa einige Skitouren Rennen. Es machte mir einfach Spaß bei diesen Events dabei zu sein. Beim Dachstein X-treme, entdeckte mich schließlich der Trainer des Nationalteams Alex Lugger und lud mich auf einen Bewährungstest zum WC in Italien ein. Dort konnte ich meine Leistung durch eine Silbermedaille bestätigen und wurde herzlichst ins Team aufgenommen. Ich war überglücklich und konnte es vorerst noch nicht realisieren, dass ich nun wirklich ein Mitglied im Nationalteam des Skibergsteigens sein sollte. Bald darauf kam, auch die Anfrage vom Hagan-Martini-Rennteam, ob ich wohl Interesse hätte nächstes Jahr für ihr Team zu starten. Ich willigte ein. Es war sicherlich eine sehr gute Entscheidung, da das Material, welches mir zur Verfügung gestellt wird wirklich von großer Qualität ist und auch meine Teamkollegen nahmen mich sofort herzlichst auf. Das Zusammentreffen mit all den Top-Athleten sei es vom Nationalteam oder dem Hagan-Martini Rennteam, war für mich sehr wichtig, da vor allem mein Trainer Alex Lugger mir sehr viel über das Material, sowie den verschiedensten Techniken lernen konnte. Auch heute habe ich noch lange nicht ausgelernt und schaue mir so manche Tricks von meinen Kollegen ab.
ASTC: Erzähl uns ein wenig von deinem Tagesablauf. Wie viel trainierst du durchschnittlich? Essl: Wie viel ich trainiere, hängt immer davon ab wie viel Zeit ich zur Verfügung habe. Zurzeit besuche ich die Polizeischule in Salzburg und habe jeden Tag von 7:30 bis 15:30 Unterricht. Somit geht sich am Abend meist leider nur mehr eine Pistentour aus. Meine Wochenenden sind zurzeit mit Rennen ausgebucht. Vor- bzw. nach der Rennsaison, vermeide ich das Wort Training, da der Sport mein Hobby bleiben soll und mir Freude und Ausgleich bringen sollte. Eine große Rolle, spielt bei diesem Sport die Psyche, ist man im Kopf nicht fit, wird es nicht lange dauern, bis auch die körperliche Leistung stark absinkt.
ASTC: Kommt da in der Jugend die Freizeit nicht zu kurz? Essl: Die Freizeit selbst wahrscheinlich nicht, denn meine liebste Freizeitbeschäftigung ist einfach Sport. Bis jetzt habe ich an den Wochenenden auch das Nachtleben nicht zu kurz kommen lassen. Dieses Jahr ist der Rennkalender jedoch so überfüllt, sodass ich an den Wochenenden sowieso nie wirklich zu Hause bin, und somit kommt natürlich auch das Nachtleben zu kurz. Somit ergibt es sich, dass man bei so manchen Dingen, welche für andere Gleichaltrige als „normal“ gelten oft nicht mithalten kann, wie zum Beispiel bei so manchen Gesprächsthemen, wie Popstarts, Filme und Serien nicht mitreden. Denn das Fernsehen kommt bei mir zu kurz, was ich jedoch absolut nicht als Verlust ansehe.
ASTC: Betreibst du auch noch andere Sportarten? Essl: Im Winter betreibe ich eigentlich nur das Skibergsteigen. Im Sommer mache ich so ziemlich alles was mit Ausdauersport zu tun hat. Vor allem das Mountainbiken und das Berglaufen zählen im Sommer zu meinen Lieblingssportarten. Ich unternehme jedoch auch mit meinem Papa viele aufregende Bergtouren.
ASTC: Was sind für dich die Ziele, die du in Zukunft anstrebst? Heuer und vielleicht auch in weiterer Ferne? Essl: Ich denke ich habe meine Ziele bereits jetzt mit den zwei Silber Medaillen, dem Staatsmeistertitel und dem Landesmeistertitel übertroffen. Ich bin überglücklich über die heurige Saison, da ich nicht gedacht hatte, dass ich solche Erfolge bereits im Jahr 2009 erzielen werde. Auch das 24 h Rennen in Bad Gastein, brachte mir so einige neue Erfahrungen. Jetzt freue ich mich noch auf die restlichen Rennen, vor allem auf den WC am Dachstein. Das Ziel in weiter Ferne wäre natürlich eine nationale Medaille bei der allgemeinen Klasse.
ASTC: In diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich bei dir für das Interview bedanken, dir noch recht viel Erfolg wünschen und ich freu mich schon auf den Dachstein Xtreme, wenn wir uns das nächste Mal sehen werden.