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Tirol als Vorzeigebeispiel, dass Tourengehen auf Pisten möglich ist...
Interview mit Ing. Gregor Reitmair über die Problematik Tourengehen auf Pisten

Von: Anna Spielbüchler 29.01.2008
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In Österreich entstehen in letzter Zeit immer größere Konflikte betreffend dem Thema Skitourengehen auf den Pisten. Das Tourengehen ist ständig populärer geworden, Massen von Leuten wollen oft sogar noch spät abends den Berg hinauf. Dagegen wehren sich die Liftbetreiber. Als Folge davon, sind z.B. ein Großteil der Salzburger Pisten für Tourengeher gesperrt, was leider zu immer mehr Unstimmigkeiten und Feindseligkeiten zwischen den beiden Parteien führt. Das Bundesland Tirol hingegen ist ein Vorzeige Beispiel, wie es funktionieren kann, wenn man versucht zusammenzuarbeiten. 2005 wurden unter der Zusammenarbeit des Kuratoriums für Alpine Sicherheit, der Alpinen Vereine, öffentlichen Stellen und der Liftbetreiber 10 Empfehlungen für Skitourengeher auf Pisten herausgegeben. Ing. Gregor Reitmair gehörte auch innerhalb der Bahnbetreiber zu den treibenden Kräften bei dem Zustandekommen der Pistentourenregeln in Tirol.

ASKIMO: Herr Reitmair, Sie sind der Geschäftsführer eines Vorzeigebetriebs, der es sehr wohl möglich gemacht hat, Tourengehen auf Skipisten konfliktfrei zu betreiben. Denn auf der Mutterer Alm scheint ein friedliches Nebeneinander der Tourengeher, Skifahrer und Liftgesellschaft kein Problem zu sein. Warum ist bei Ihnen auf der Mutterer Alm das möglich, was andere Skigebiete in ganz Österreich scheinbar nicht schaffen?

Reitmair: An der Tatsache, dass es sehr viele Pistentourengeher gibt kommt kein Schigebiet vorbei. Nach meinem Ermessen ist es viel sinnvoller, einen gemeinsamen Weg zu suchen und für alle annehmbare Regeln aufzustellen. Die Empfehlungen haben den Charakter von solchen Regeln und werden von 80-90% der Pistentourengeher auch befolgt. Bei uns ist jeder, der sich an die Regeln hält, herzlich willkommen.

ASKIMO: Wie kam es zu dieser Lösung, dass derartige Empfehlungen aufgestellt worden sind?

Reitmair: Unser Landeshauptmann-Stv. Gschwendtner hat aufgrund der bekannten Problematik die verschiedenen Verbände (ÖSV, Alpenverein, Naturfreunde, Verein für Wettkampfskibergsteigen) sowie Seilbahnwirtschaft (Wirtschaftskammer, Seilbahnvertreter) und diverse öffentliche Stellen (Tourismusabteilung Land Tirol, Tourismusverband Innsbruck, Tirol Werbung) an einen Tisch gebeten und in vernünftiger, konstruktiver Art wurden die Empfehlungen festgelegt. Insgesamt war die Wirkung positiv, da keine Ausgrenzung stattfindet.

ASKIMO: Wie sieht die Lösung in Ihrem Skigebiert aus?

Reitmair: Wir bieten eine separate Aufstiegsspur, in welcher die Tourengeher größtenteils abseits der Schipiste hinaufgehen können. Zur Abfahrt wird die normale Schipiste verwendet, was tagsüber keine Probleme schafft. Abends sind die Pisten mit Ausnahme von Mittwoch und Freitag gesperrt.

ASKIMO: Halten sich die Tourengeher an die Regeln oder gibt es manchmal Probleme?

Reitmair: Probleme gibt es leider bei ca. 10-20% der Tourengeher, die leider nach wie vor diese Vereinbarungen nicht einhalten. Speziell mit den Nachttourengehern haben wir die größten Probleme. Es fehlt bei diesen Personen total das Verständnis, dass eine frisch präparierte Piste „durchfrieren“ muss um an nächsten Tag wieder „fit“ zu sein. Speziell der Umstand wenn nachts in die frisch präparierte Piste, über die gesamte Breite gecarvt wird, liefert uns am nächsten Tag ein katastrophales Ergebnis. Zahlende Skigäste finden fürchterliche Bedingungen schon bei der ersten Abfahrt vor. Dies hat naturgemäß negative Auswirkungen auf unseren wirtschaftlichen Erfolg. 
Leider halten sich einige auch nicht an die Sicherheitsvorschrift, auf den wegen Windenpräparierung in den Abend- und Nachtstunden gänzlich gesperrten Pisten aufzusteigen und abzufahren.

Auch mitgeführte Hunde, welche teilweise frei oder an der langen Leine geführt werden, sorgen immer wieder für Probleme. Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass abfahrende Schigäste von Hunden angebellt und erschreckt wurden. Grundsätzlich sind Hunde laut den Empfehlungen nicht mitzuführen. Leider nehmen viele Personen ihre Hunde mit, dies sogar ohne oder an der langen Leine.

ASKIMO: Ergeben sich wirtschaftlich gesehen Vorteile für das Skigebiet, wenn das Skitouren gehen am Abend erlaubt wird?

Reitmair: Wir bieten jeden Mittwoch und Freitag an, dass Tourengeher bis 22.30 Uhr unsere Pisten benützen können, an diesen Tagen ist auch die Gastronomie am Berg geöffnet, die in unserem Fall eine Schwestergesellschaft ist. Jeder ist herzlich willkommen. Wir präparieren an diesen Tagen erst danach – was für den Liftbetreiber selbst natürlich auch erhebliche Mehrkosten verursacht. Konkrete wirtschaftliche Vorteile für das Schigebiet selbst ergeben sich nicht, da die späte Präparierung erhebliche Mehrkosten verursacht. Die Gastronomiebetriebe am Berg profitieren allerdings eindeutig von dem Angebot. Leider bezahlen viele bei uns parkende Tourengeher nicht die Gebühren, die wir eigentlich dazu verwenden würden, diese Kosten in Grenzen zu halten.

ASKIMO: Wenn Sie sich die derzeitigen Probleme in anderen Bundesländern wie z.B. Salzburg anschauen, wie glauben Sie, dass sich die Situation entwickeln wird?
 
Reitmair: Ich kann leider die Situation in Salzburg nicht kommentieren, da ich darüber zu wenig weiß, jedenfalls ist jedoch ein Regelwerk notwendig. In den nunmehr 2 Jahren meiner Erfahrung zeigt sich allerdings immer öfter, dass es vielleicht doch notwendig wird, nicht nur „Empfehlungen“ auszusprechen sondern „Regeln“ einzuführen, die exekutierbar sind. Uns fehlt leider jede Handhabe, bei den 10-20 % die sich nicht an die Regeln halten. Deshalb halte ich es für besonders wichtig, dass sich die 80-90% derjenigen, die sich an diese Empfehlungen halten, in Gesprächen oder bei solchen Situationen mit Zivilcourage diese „Sünder“ darauf ansprechen um zu vermeiden, dass eines Tages wirklich die Pisten gesperrt werden.
Wenn österreichweit die gleichen Regeln gelten würden, wäre es vielleicht auch leichter möglich, diese über verschiedene Medien – redaktionell und werbe mäßig –  bekannt und damit umsetzbarer zu machen.

ASKIMO: Gehen Sie selber auch die eine oder andere?
 
Reitmair: Leider komme ich selbst zu wenig dazu, gehe aber auch gerne selbst mit den Tourenschiern auf den Berg. Mein Ziel ist es in Zukunft öfter zu gehen.

ASKIMO: Ich möchte mich bei Ihnen recht herzlich für das Interview bedanken. Hoffen wir, dass sich die restlichen Skigebiete in Österreich ein Beispiel an Ihrem Vorzeige-Skigebiet für Skitourensportler nehmen.
Links zum Thema:
www.muttereralm.info/de/index_winter.php
 
 
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