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Off Topic: Persönliches Engagement in Vereinen

Von: Karl Posch 10.10.2009
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Zwar ziemlich Abseits des eigentlichen Themas dieser Webseite möchte ich dennoch über einen Vorgang informieren, der mich als Veranstalter und privatem Funktionär in lokalen Sportvereinen sehr interessiert. Ich denke, dass das Thema für jeden "Vereinsmeier" von großem Interesse sein kann...auch wenns um Deutschland geht.
 
Im weiterführenden Link habe ich meine privaten Gedanken in meinem Blog veröffentlicht.
 
Presseinformation (erhalten vom hier allseits bekannten Martin Dufter)
 
Stirbt das Ehrenamt?
 
Bad Reichenhall – Am 30. Oktober beginnt um 9:30 Uhr im Amtsgericht Laufen die Verhandlung gegen Tunay Öztunc. Das Mitglied des TSV Bad Reichenhall wird der fahrlässigen Körperverletzung angeklagt. Er hatte als ehrenamtlicher Helfer beim RupertusThermen-Lauf 2008 ein Trassierband gespannt, vor dem ein Radfahrer zu Sturz kam. Ein Teil des Organisationsteams kündigte für den Fall der Verurteilung bereits seinen Rücktritt an. Ist das das Ende der beliebten Laufveranstaltung und welche Risiken trägt ein Ehrenamtler eigentlich?
 
"Mir war immer klar, dass man zivilrechtlich als Ehrenamtlicher und Organisator einer Veranstaltung haftbar ist und unbedingt entsprechende Versicherungen abschließen muss“, sagt Martin Dufter, von Anfang an beim Thermenlauf dabei. „Dass man auch strafrechtlich verfolgt werden kann, war mir nie bewusst. Man handelt immer nach besten Wissen und Gewissen aber manchmal passieren Dinge, die einfach nicht vorhersehbar sind“. Wie die Situation am 30. August 2008.
 
Was vor einem Jahr geschah
Tunay Öztunc hatte gemeinsam mit einem weiteren freiwilligen Helfer am Vorabend der Laufveranstaltung die Einfahrt eines Weges, dessen „Befahren verboten“ ist, mit einem Trassierband abgesperrt. Sie wollten verhindern, dass dort über Nacht abgestellte Autos die Sportler am nächsten Tag behindern.
Am Morgen des 30.08.08 fuhr gegen ca. 05.45 Uhr ein Radfahrer auf diesem für den öffentlichen Verkehr gesperrten Weg. Sein Fahrrad war nicht verkehrstüchtig, es hatte keine vorschriftsmäßige Beleuchtung. Einige Meter vor dem Trassierband erschrak der Radfahrer plötzlich, bremste zu heftig, überschlug sich und zog sich schwere Gesichtsverletzungen zu. Der Geschädigte gab zur Protokoll, dass er keine Anzeige erstattet.
 
Drei Monate später erhielt Tunay Öztunc die Aufforderung zur Zahlung einer Auflage von 500,00 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung. „Mit den Ereignissen konnten wir einfach nicht rechnen. Ich bin keiner Schuld bewusst“, so der Angeklagte, der deshalb dem Bescheid widersprach. Nach fast einem Jahr hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben, die Verhandlung wurde für den 30. Oktober 2009, 9:30 Uhr, im Amtsgericht Laufen festgesetzt. Für Öztunc, der sich als Mitglied des TSV, der Freiwilligen Feuerwehr und des Kulturvereins „Magazin 4“ seit Jahren ehrenamtlich engagiert, steht schon jetzt fest. „Wenn ich verurteilt werde, ziehe ich die Konsequenzen und trete von meinen Ämtern zurück.“
 
Das Risiko ist unkalkulierbar
Das kündigten auch die Organisationsmitglieder Boris Bregar, Marcus Stumpf und Michael tom Felde an. Bregar, der seit zwei Jahren als TSV Abteilungsleiter auch für den Thumsee-Triathlon verantwortlich ist: „Wenn ich als ehrenamtlicher Vorstand wegen Fahrlässigkeit verurteilt werde, bin ich nicht mehr bereit, so was zu organisieren. Bei kommerziellen Veranstaltungen sieht es anders aus, da bekommt man das Risiko bezahlt." 
Martin Dufter, der neben dem Thermenlauf noch beim alpinen Dreikampf „Grazi Man“ und diversen Skitourenrennen engagiert ist, ergänzt: „Und die Folge daraus wird sein, dass sich immer weniger Menschen ehrenamtlich engagieren. Verständlich, wenn man Angst haben muss, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.“ Dabei regt Dufter am meisten auf, dass nirgendwo verbindliche Auskünfte zu bekommen sind: „Wir haben heuer den „Grazi Man“ abgesagt, weil wir weder vom Verband, noch von Rechtsanwälten oder Versicherungen erfahren konnten, für welches Risiko wir verantwortlich sind und wann wir strafrechtlich dran wären.“
 
Keinen Freibrief für ehrenamtliche Helfer
Natürlich ist den Mitgliedern vom TSV-Organisationsteam bewusst, dass sich auch freiwillige Helfer einer Veranstaltung und ehrenamtlich tätige Personen an Gesetze zu halten haben. Boris Bregar: „Wir wollen keinen Freibrief. Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz ist eine strafrechtliche Verfolgung natürlich gerechtfertigt.“ Doch in diesem Fall könne er die Anklage einfach nicht nachvollziehen.
 
Es geht auch um die Zukunft des Ehrenamtes
„Da der ‚Fall Tunay’ eigentlich jeden Ehrenamtler betrifft, ist die Entscheidung des Gerichts für viele Menschen von Bedeutung. Hier geht es nicht nur um eine Einzelentscheidung, sondern auch um die Zukunft des Ehrenamtes“, betont Martin Dufter. „Wir hoffen deswegen, dass möglichst viele Vertreter aus der Region und von sämtlichen Vereinen bei dem Gerichtstermin vor Ort sein werden."
So haben unter anderem bereits die Bürgermeister von Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain, Dr. Herbert Lackner und Hans Hawlitschek, der Geschäftsführer des Bayerischen Leichtathletikverbandes, Stadträte, Vertreter des Alpenvereins aus München, Karl Posch, Präsident des österreichischen Skitourenverband, der BGL-Radmarathonverantwortliche der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Thomas Sprinzing, und natürlich Mitglieder des TSV Bad Reichenhall ihr Kommen zugesagt. Der Grünen-Politiker Sepp Daxenberger hatte Öztunc bereits im vergangenen Jahr Unterstützung versprochen und sich den Termin ebenfalls vorgemerkt.
"Für Läufer und Sportler wäre es wirklich schade, wenn es künftig keinen RupertusThermen-Lauf, „Grazi Man“, Thumsee-Triathlon oder sonstige Veranstaltung mehr geben würde. Sie sind die eigentlichen Leidtragenden des Ganzen“, stellt Marcus Stumpf fest. 
 

Unterzeichnet vom TSV-Organisationsteam des RupertusThermen-Laufes:
Tunay Öztunc
Martin Dufter
Boris Bregar
Markus Stumpf
Michael tom Felde
Ana Ullrich
 
PRESSE-Kontakt:
Kathrin Thoma-Bregar
Mail: kathrin@thoma-bregar.de
Mobil: 0170 - 804 26 03
 
Kontakt Tunay Öztunc:
Mobil: 0171 - 734 76 25
 
Kontakt Orgateam-Sprecher Boris Bregar
Mobil: 0171 - 206 88 44

Links zum Thema:
networkedblogs.com/p14164904
 
 
Anklage zurückgezogen!

Von: Karl Posch [zum Profil] 29.10.2009
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Kurz vor dem Beginn des eigentlichen Prozesses wurde die Anklage gegen das Vereinsmitglied zurückgezogen. Begründung: die Entscheidungen, die zum Unfall geführt haben, wurden in der Gruppe getroffen...ein Nachweis der Schuldigkeit des Angeklagten kann damit nicht erbracht werden.
 
Naja, immerhin ist die Sache erledigt, auch wenn die Begründung nicht in die eigentliche Richtung der Sache geht.
 
 
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