Schwarzer Freitag am 27.11.2009 in Wien: Wettkampf-Skibergsteigen wurde die Aufnahme in die BSO verwehrt Von: Karl Posch 29.11.2009 Kommentar verfassen | Weitersagen Bewerten:
Ein schwarzer Tag für das Österreichische Wettkampf- Skibergsteigen war der vergangene Freitag. Das seit Herbst 2007 bei der BSO (Bundessportorganisation) aufliegende Ansuchen zur Aufnahme und damit staatlichen Anerkennung der Sportart wurde in der Abstimmung des Bundesfachrates abgelehnt. Ich war persönlich bei der Sitzung anwesend und darf hier meinen Bericht dazu abgeben.
Die Vorgeschichte Nach der Arbeit am nationalen Wettkampf-Skibergsteigen seit 2001 mit der Gründung des ASTC, Durchführung der Österreichischen Meisterschaften, Abhaltung von Europacup- und Weltcuprennen, Gründung der Nationalmannschaft, Aufbau von Landesstrukturen etc. wurde der Verband ASKIMO 2006 als eigenständiger Fachverband gegründet. Entstanden ist die Organisation durch die klare Differenzierung vom Breitensport Skibergsteigen, der vom VAVÖ (Alpenverein, Naturfreunde etc.) betrieben wird. Der VAVÖ und die Alpinen Vereine sind damit die organisatorischen Wurzeln des Wettkampf- Skibergsteigens in Österreich.
Wozu die BSO? Die Anerkennung bei der BSO (Bundessportorganisation) ist für die Entwicklung einer Sportart in Österreich essentiell wichtig. Sie ermöglicht neben der Teilnahme am Österreichischen Sportförderungsprogramm auch die Teilnahme an der Trainerausbildung, dem Schulsport, Heeressport u.v.m. Aus diesem Grund hatten wir uns entschieden, 2007 um die Aufnahme in die BSO anzusuchen. Diese Aufnahme kann nur einmal pro Jahr erfolgen, jeweils Ende November.
Die Ansuchen des ASKIMO Das Ansuchen von 2007 konnte von der BSO aus Zeitmangel nicht mehr behandelt werden, es wurde Mitte Oktober eingereicht, die entscheidende Sitzung fand Ende November statt. Die Zeit zur Prüfung war zu kurz, wurde uns mitgeteilt.
Das neuerliche Ansuchen 2008 wurde überschattet von der Begehrlichkeit des ÖSV, das Wettkampf-Skibergsteigen eingliedern zu wollen. Das Österreichische Sportgesetz schreibt vor, dass artgleiche Sportarten zusammengefasst werden sollen…eine vernünftige Regelung. Der ÖSV berief sich mit seinen Bestrebungen auf diese Regelung. Von Seiten des ASKIMO gab es – aus mehreren Gründen - niemals die offizielle Bitte oder auch nur den offiziellen Wunsch, in den ÖSV aufgenommen zu werden. Erst im Oktober 2008 hatten unsere intensiven Bemühungen der Erhaltung der Eigenständigkeit Erfolg. Der ÖSV erklärte schriftlich, kein Interesse am Wettkampf-Skibergsteigen zu haben, die Sportart sei zu gefährlich. Eine Aufnahme in die BSO war wegen der Verzögerungen und Diskussionen im Jahr 2008 aus Zeitgründen wiederum nicht möglich.
Das neuerliche Ansuchen 2009 wurde aufgrund der Erfahrungen der letzten beiden Jahre akribisch vorbereitet. Insgesamt wurden im März 2009 mehr als 7 kg aufbereitete Unterlagen an die BSO geschickt, x-fache Besuche zwischen Wien und Genf sollten alle Eventualitäten klären und mögliche Formfehler und Versehen vermeiden. Der vergangene Sommer und der Herbst standen im Zeichen einer intensiven Vorbereitung unter möglichster Ausschließung aller Fehlerquellen.
Die Bundessport- Fachratstagung am 27.11.09 Wir waren alle relativ sicher, dass die Anerkennung positiv ausfallen müsste. Entsprechende Signale waren aus Wien deutlich zu empfangen. Eine 5-minütige Präsentation von mir mit einem Kurzfilm sollte nochmals die Schönheit und internationale Dimension der Sportart darstellen. In der Diskussion, die der eigentlichen Abstimmung am 27.11.09 im Spiegelsaal im Haus des Sports in Wien dann vorausging, hatten alle Stimmberechtigten (die Vertreter aller anerkannten österreichischen Sportverbände, insgesamt 59) die Möglichkeit, Bedenken vorzubringen. Neben sachlichen Punkten wie z.B. dem des nicht vorhanden seins eines hauptberuflichen Mitarbeiters im ASKIMO und der noch fehlenden Anerkennung unseres Weltverbandes ISMF bei der Internationalen Sportbehörde SPORTACCORD (Sache des internationalen Verbandes) trugen auch emotionale Feststellungen wie z.B. „…die Sportart ist aber sehr gefährlich…“ und „…das ist keine eigene Sportart, sondern nur eine Sparte des Skilaufs…“ zum letztlich deutlich negativen Abstimmungsergebnis bei. 35 Delegiertenstimmen fielen gegen die Aufnahme aus, nur 5 Delegierte stimmten dafür. Die Stimmung gegen eine Aufnahme war im Plenum zu deutlich.
Die Folgen, Status Quo Die Folgen dieses enttäuschenden negativen Entscheids sind noch nicht absehbar. Im Umfeld der ständig steigenden internationalen Anforderungen der geradezu explodierenden Sportart und des großen organisatorischen Aufwands steht allerdings fest: ohne rasche strukturelle, organisatorische und finanzielle Aufstockung kann das Österreichische Wettkampf- Skibergsteigen nicht auf internationalem Level gehalten werden. Wir stehen derzeit vor der seltsamen Situation, dass:
1.) …die Schnee- Ski- und Bergnation Österreich unter 36 Mitgliedsstaaten im internationalen Verband ISMF die einzige ist, die in der eigenen Bundesorganisation nicht anerkannt ist. Ein Mitwachsen mit internationalen Maßstäben ist damit in Frage gestellt. 2.) …den guten Basisleistungen der Österreichischen Nationalmannschaft mit mehreren Gold- und Silbermedaillen in den Weltcupbewerben der letzten Jahre nicht die Möglichkeit der Förderung – z.B. durch effiziente Jugendarbeit - gegeben werden. 3.) …eine Sportart mit einer Breitenwirkung von 500.000 – 700.000 Aktiven nicht als sinnvoller Wettkampfsport angesehen wird; dies bei ca. 70 Wettkämpfen pro Jahr und einer sehr vitalen Wettkampf-Szene. Wohlgemerkt mit einem außerordentlich geringen Unfallrisiko….die Zahlen der letzten 15 Jahre belegen dies. 4.) …der wirtschaftliche Faktor des Skibergsteigens mit mehr als 20% Handelswachstum pro Jahr negiert wird. Und dies, obwohl ein Gutteil der wichtigen Firmen in der Szene in Österreich sitzen, der heimische Umsatz damit in beachtlichen Höhen liegt. Skibergsteigen ist übrigens von den Verkaufszahlen her mittlerweile gleichauf mit Snowboard und Langlauf. Skibergsteigen ist der einzige Wintersport- Wachstumsmarkt derzeit.
Ein erneutes Ansuchen kann erst wieder zum November 2010 gestellt werden. Die Entscheidung ob überhaupt und wie dieses Ansuchen gestellt wird, fällt am 4.12.09 auf einer außerordentlichen Vorstandssitzung des ASKIMO in Salzburg. Hier werden auch personelle Entscheidungen fallen.
Dank und Anerkennung Unabhängig von den Entscheidungen am 4.12.09: es sei allen gedankt, die sich in den letzten Monaten und Jahren für die Anerkennung des Wettkampf- Skibergsteigens verwendet haben und uns auf viele Weise geholfen haben. Funktionäre, Politiker, Verbandsvertreter etc…es war ein schönes Gefühl zu sehen, dass es viele Freunde der Sportart gibt. Schade, dass es nun doch nichts geworden ist.
Im Gegensatz zu Wettkampf-Skibergsteigen wurde übrigens die zweite sich bewerbende Sportart „Ultimate Frisbee“ am 27.11.09 beim erstmaligen Ansuchen als Sportart aufgenommen. Ich freue mich für die Aktiven der Sportart und bin stolz darauf, als erster nach der erfolgten Aufnahme gratuliert zu haben. Frisbee ist damit im Kreis der nun 60 anerkannten Sportarten wie Skilauf, Tennis, Fussball sowie Casting, Schach und Curling integriert.
in Zeiten der Wirtschaftskrise wird DIE aufsteigende Sportart des Jahrzehntes von einigen Bürokraten mit aller Gewalt verweigert. Bei solchen Entscheidungsträgern muss man davon ausgehen, das diese niemals eine schöne Skitour selber gegangen sind und sich sportlich niemals in der Natur aufhalten. (Stadtpark ausgenommen)Der Sporthandel blüht in dieser Sparte, kein Wunder bei 600.000 aktiven. Geschweige der vielen österr. Herstellern der Sportartikel.
Dafür gibts tolle Sportarten wie: - Casting (wenn man 10 Leute im Bekanntenkreis fragt, kennt das sicher keiner), ist jedoch sicherlich ein technisch anspruchsvolles Hobby. - Curling - Schach - Freesbi - Jagd und Wurftauben - Billard - Minigolf
tja, bei diesen Sportarten kommt man schon beim auflisten gehörig ins schwitzen - Sport eben. was wird als nächstes aufgenommen und mit öffentliche Gelder gefördert? vielleicht "Pfitschigogal" ? Grundsätzlich nichts gegen diese "Sport"arten, jedoch sollte mit einheitlichem Maßstab bewertet werden, anstelle von blockieren."American Football" ist ebenfalls aufgenommen, eine typische österr. Sportart? na servas. Und Skibergsteigen wird in DER Ski-Nation überhaupt sogleich abgelehnt? - unglaublich - welch Rückschritt ins Mittelalter.
Zu Argumente wie "gefährlich" : gefährlicher wie die Streif in Kitzbühel? Skisport: bei jedem 2. Rennen geht ein Knie kaputt.Tourensport: passiert fast nichts, wie Zahlen ergeben.Schade das sich die BSO dagegen entscheidet, dass unsere österr. Athleten im Weltcup den anderen, momentan dominaten Nationen, gehörig einheizt - das Potenzial hätten sie, die Struktur dazu ist jahrelang aufgebaut worden - jetzt die Bremse von oben - ein Schande der Bürokratie und für den allg. Sport.
Aber wie schon die Tiroler Tagezeitung geschrieben hat: "Für die BSO stellt sich die Welt weiter als Scheibe dar"
Hiermit möchte ich meine Bestürzung ausdrücken, dass Wettkampf Skibergsteigen nun doch nicht die Aufnahme im BSO erreicht hat. Gerne möchte ich Eurem Team recht herzlich danken, dass ihr den Sport mit soviel Engagement, Herzblut und Energie auf das derzeitige Level gebracht habt......Gerne möchte ich auf diesem Weg auch Josep für seinen unermüdlich internationalen Power fürs Skibergsteigen danken.......
....Kopf hoch.....die Zweifler, Unwissenden und Ignoranten können die erfolgreiche Zukunft nicht verhindern! Wir werden in jedem Falle als Unternehmen mit Schwerpunkt im Bergsport unsere Unterstützng mit den Marken SALEWA und DYNAFIT beibehalten und wenn nötig auch noch verstärken.....uns geht es um die Menschen, die Sportler, die Enthusiasten und natürlich um den Sport ansich.........
SKI-MOUNTAINEERING RULES!
Reiner Gerstner Group Brand & Marketing Director SALEWA
Als begeisterter Skibergsteiger und Amateurrennläufer tut es mir sehr leid das es nicht geklappt hat.Laut Aussagen der obersten Stellen hiess es die Abstimmung wäre nur mehr Form halber,man ist aufgenommen.Was ist da Geschehen? warum haben die Sportarten die mit wintersport nichts zu schaffen haben dagegen gestimmt? was ist da faul? um was gehts hier?
haben gewisse Leute Angst um ihre Brieftasche,Wenn in den nächsten Jahren immer mehr Leute auf Tourenski umsteigen,gehn die woanderst ab?Und alls kleiner Mann stell ich mir schon die Frage warum bei der Abstimmung -fast-alle umgefallen sind. was war da im Spiel?
Karl dir wünsche ich alles Gute,und halte durch. l.G an Alexenko Kohla
Grundsätzlich gibts zu allen Reaktionen wenig zu sagen. Nur eins sollte schon angeführt werden: bereits im Jahr 2001 gab es seitens der Wettkampf- Skibergsteiger das Ansinnen, in den ÖSV aufgenommen zu werden, damals wurde das vom ÖSV abgelehnt. 2008 widerholte sich das Spiel umgekehrt...nun wollte der ÖSV sich die Sportart einverleiben. Nur wollten wir uns nicht kommentarlos schlucken lassen. So wichtig dieses Thema offenbar für den ÖSV 2008 intern war...mit uns wurde tatsächlich nur 2 mal offiziell kommuniziert. Sowas nennt man nicht Verhandlung, sondern Übernahmeversuch. Das Ergebnis war, dass der ÖSV "wegen der Gefährlichkeit der Sportart" offiziell sich zurückgezogen hat. Zur Gefährlichkeit: ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber in den 15 Jahren, in denen ich solche Veranstaltungen beobachte, habe ich nur wenige Verletzungen gesehen und mitgekriegt (unter 10), davon die schwerste ein Schulter-Bänderriss im letzten Jahr. Das bei 70 Veranstaltungen in Ö und ca. 600 international jährlich, mit jeweils mind. 100 Teilnehmern im Schnitt. Ich will nicht den Vergleich mit anderen Sportarten anstrengen, diese Zahlen sprechen eh für sich selbst.