Teamrennen – die Königsdisziplin. Wenngleich auch in Österreich nicht so bekannt und beliebt wie das Einzelrennen, ist der 2er Teambewerb international die Krönung des Skibergsteigens. Nicht nur wegen der längsten Strecke (2.400 hm plus/minus 10% lt. Reglement) sondern auch wegen der Tatsache, das ein Problem eines Teampartners das Aus für das gesamte Team bedeutet. Und natürlich, weil es sich bei dieser Disziplin um die Originalvariante alpiner Gletscherbegehungen handelt. Leider ist genau bei dieser Disziplin die Stärke der internationalen Teams besonders erdrückend, hier spielen die arrivierten Nationen Ihre Stärken voll aus.
Für Österreich gingen heute 2 Teams an den Start. Bei strahlendem Morgenwetter brachen Lydia Prugger/Michi Essl und Markus Stock/Jakob Herrmann in Soldeu auf, um zur Rennstrecke nach Arcalis zu kommen. Dort dann lange Gesichter: die Sonnenbrille war innerhalb von nur 20 Kilometern gegen die GoreTex Jacke zu tauschen. Sauwetter, Nebel, Schneefall. Es bewahrheitete sich, was die Andorraner hier schon die ganze Woche sagen: das Wetter in Arcalis ist etwas sonderbar.
Der Start wurde dann aber nur ganz kurz verschoben die Streckenbauer leisteten – zum wiederholten Mal, die haben echt was drauf – ganz Arbeit. Der Tross der Damen startete eine halbe Stunde vor den Herren, und ging wegen der Streckenlänge mit verhaltenem Tempo auf die Spur. Schon am ersten Anstieg setzen sich die italienischen Überflieger Martinelli/Pedranzini an die Spitze. Der erste Anstieg mit nur 500 Höhenmetern brachte wenig konkretes, die Abfahrt bei schlechten Lichtverhältnissen ebenso wenig. Am zweiten Anstieg mit über 1000 Höhenmetern, in direkter Folge einer langen Flachpassage, zog sich das Damenfeld auseinander, die kräftezehrende Abfahrt danach brachte die ersten Vorentscheidungen. Die Italienerinnen uneinholbar, die Schweizerinnen auf den Fersen, die Spanierinnen mit einem schwachen Teammitglied angeschlagen, die Andorranerinnen mit einer Athleten mit Magenproblemen am kämpfen. Unsere Hesen hatten sich auf Lauerstellung begeben, so um den 7. Platz.
Zwischenzeitlich hatten die Männer ebenfalls Ihren Start gehabt, dort ging’s gleich voll zur Sache. Die Franzoden Perrier/Blanc wurden gejagt von mehreren starken Teams, mittendrin auch unsere Recken. Und während am ersten Anstieg die Welt noch in Ordnung war, fing kurz danach eine beispiellose Pechserie an. Markus Stock verschleißte so ziemlich alles, was er an Material mit hatte. Schuhbruch (doppelt, nämlich Seilriss und Schalenbruch), kaputter Rucksack/Tragesystem, am zweiten Anstieg dann im Steilgelände einen Ski verloren, den Jakob Herrmann wieder zutrug. All das zerrte an den Nerven, kostete in Summe viele Minuten. Während Markus mit den Problemen mit seiner Routine umgehen konnte (Schuhfixierung Marke Hans Wieland: Fell um den Schaft picken, geht schon), machte die Situation Jakob eindeutig mehr zu schaffen. Im letzten Anstieg war er deutlich angeschlagen, das Österreichische Herrenteam aufgegliedert und weit im Feld hinten. Eine gute Abfahrtsleistung im Pulver und bei mittlerweile hervorragenden Wetterverhältnissen brachte die beiden zumindest noch auf Platz 17. Die beiden konnten im Ziel nur noch lachen, eine Ansammlung von so vielen Missgeschicken war nur noch schräg. Es spricht für die mentale Stärke der zwei, dass sie das Rennen fertig gegangen sind: „…eh klar, is a WM, und wenn ma schon da sind!“
Bei den Damen lief es entscheiden besser: die angeschlagenen Andorranerinnen konnten nach einem übertauchten Einbruch vom Michi auf dem letzten Anstieg geschnupft werden, diese stellten daraufhin ab und resignierten. Unsere Ladies liefen zu guter letzt zu Höchstform auf. Eine flotte Abfahrt katapultierte die beiden gut gelaunt auf den 5. Gesamtrang! Sensationell, so manches arrivierte Team wurde abgeschlagen. Die beiden fuhren jubelnd ins Ziel, die gesamte restliche Mannschaft, die alle als Betreuer in der Botanik verteilt waren, gratulierten. Welch ein Ergebnis unserer Heldinnen!
Notiz am Rande: wie es medial um unsere Arbeit in Ö steht, zeigen zwei Anekdoten von heute. Irgendwo in der Pampa im letzten Anstieg redet mich ein Italiener an, er hätte da im Fernsehen zu Hause einen Bericht über ein Rennen in Österreich gesehen, und der war voll super, „the Austrians make it the right way!“. Cool, immerhin investieren wir ziemlich viel Energie und Geld in das Thema. Am Abend dann Pressearbeit mit Zeitungen in Österreich mit den Ergebnissen unserer Athleten von dieser Woche, immerhin einem Weltmeistertitel…Kommentar des Sportchefs einer großen Österreichischen Tageszeitung: „Nein, das schreiben wir nicht, das ist ja kein Sport. Naja, Sport vielleicht schon, aber Sie verstehen das sicher eh“. Ohne Kommentar.
Morgen steht der Abschlussbewerb, die Staffel, am Programm. Sowohl eine Herrenstaffel (4 Athleten) als auch eine Damenstaffel (3 Athleten) wird für Österreich starten. Unsere Chancen sind in diesem explosiven und spektakulären Bewerb nicht allzu groß, aber es gilt morgen eine Frage der Ehre zu klären: Ösetrreich liegt derzeit am 5. Platz in der Nationenwertung von 22 Nationen. OK, wir haben keine Anerkennung als Sportart, haben keine staatliche Unterstützung, keine Trainingsmöglichkeiten und alle unsere Athleten sind Hobbysportler…aber wir sind die 5.besten der Welt!