Rennbericht Dachstein Xtreme präsentiert von PIEPS in Schladming-Ramsau / Ramsau am Dachstein vom 27.3.2010 Von: Karl Posch 28.03.2010 Kommentar verfassen | Weitersagen Bewerten:
Es war ein Traumtag am Dachstein! Zwar ging es nicht wie erhofft über den Dachstein, aber trotz aller Schwierigkeiten – der Name „Dachstein Xtreme“ bürgt für Qualität – hatten wir ein super rennen. Der Wettergott war uns gnädig….genau zum Rennen gabs ein Sonnenfenster und schließlich war dann da noch der Österreichische Doppelsieg….was will man mehr!
Schwierig waren die Tage vor dem diesjährigen Dachstein Xtreme. Einerseits erhielten wir jeden Tag von unserem Wetterdienst BLUESKYWETTER die Informationen, dass in der Nacht auf Samstag eine Schlechtwetterfront mit tiefen Temperaturen, Sturm und Schneefall über den Dachstein brausen wird. Andererseits wars im Fön so warm, dass der Spurmannschaft buchstäblich der Schnee unter den Skiern zergangen ist.
Mit der besten Helfermannschaft der Welt (YESSS) ist es dann aber gelungen, doch ein Rennen zu zaubern, das nationalen und internationalen Anforderungen genügte. Auch die Beobachterin des internationalen Verbandes ISMF, die Slowakin Zuzana Rychlikova, gab am Freitag nachmittags grünes Licht zur Durchführung des Events. Damit war der Status eines homologierten Rennens, also praktisch Weltcupstatus, gewährleistet. Das Briefing, das heuer erstmals in Ramsau und nicht wie in den vergangenen Jahren in Schladming stattfand, war am Freitagabend gut besucht. Teilnehmer aus 8 Nationen hatten sich eingefunden, um das Rennen mitzumachen. Unsere Bergführer hatten ganze Arbeit geleistet, und so konnte beim Briefing guten Gewissens die Strecke präsentiert werden: eine Langdistanz mit ca. 1.430 hm und eine Kurzdistanz mit ca. 1.220 hm. Kein Mensch konnte glauben, dass die angekündigte Störung wirklich kommen sollte…noch nach dem Briefing war es super warm und die Sterne waren am Himmel zu sehen. Um 22:00 Uhr war es dann so weit…die Front kam überfallsartig herein, innerhalb von nur 15 Minuten schüttete es wie aus Kübeln, wenige Minuten später fing es an zu schneien…die Bergführer sahen besorgt aus dem Fenster…was wird da morgen früh auf der Strecke los sein?
Am Renntag dann die Überraschung: es klarte auf, Schönwetter! Der Schneefall beschränkte sich ebenfalls auf 10 cm, die Nachspurerei war damit keine große Tragik. Der Dachstein selbst war zwar kaum zu sehen, Wolken und Wind machten uns sicher, dass das Rennen oben keinen Sinn gemacht hätte. Herunten bei der Talstation der Dachstein Südwandbahn wurde es aber immer wärmerund schöner. Rasch den Startkorridor ausgeschaufelt, Musikanlage eingestöpselt…
Zwar hatten sich viele der vorangemeldeten Sportler durch die schlechte Wetterprognose abschrecken lassen, doch trotzdem konnten pünktlich um 10:00 Uhr rund 100 Athleten gestartet werden. In der Seniors-Gruppe setzte sich gleich zu Beginn eine Vierergruppe ab: der Italiener Allessandro Follador, Alexander Fasser (Rennteam Alpbachtal), der Slowene Nejc Kuhar und Wolfgang Klocker (Hagan-Martini-Rennteam) waren unmittelbar nach dem Start einige Meter voran…und bestimmten das Tempo. Bei den Damen, hatte Lydia Prugger (WSV Ramsau) gleich zu Beginn Pech: sie verlor im Startgetümmel einen ski und damit wertvolle Zeit. Vorne an der Spitze konnte sich Michaela Essl (Martini-Hagan-Rennteam) zwar behaupten, hatte allerdings die spät nachgenannte Deutsche Barbara Gruber (Team Alpenstoff) im Genick.
Nur drei Minuten nach den „Alten“ wurden die Jugendklassen ins Rennen geschickt. Wie erwartet sprang der junge Deutsche Seppi Rottmoser als erster in die Spur, hinter ihm eine bunte Meute aus jungen deutschen und österreichischen Nationalteam- Mitgliedern.
Schon nach dem ersten Anstieg hatten die Starter der Kurzstrecke die hinteren Teilnehmer der Langstrecke eingeholt.
Am zweiten Anstieg hatte sich Wolfi Klocker aus der Führungsgruppe verabschieden müssen, zu sehr drückten die drei anderen auf Tempo…Alex hielt sich aber im Windschatten des Italieners und des Slowenen in Lauerstellung. Auf den folgenden Anstiegen und Abfahrten verschob sich bei den Herren kaum etwas, die drei Führenden zogen ihr Rennen durch. Bei den Damen hatte sich alerdings zum Führungsduo eine weitere Deutsche dazugesellt: Judith Grassl (Alpenstoffteam/SK Ramsau) hatte einen enorm starken Tag und setzte sich hinter Babs Gruber als Dritte in Position. Das Kriterium des Rennens waren eindeutig die Abfahrten: schwierig, stumpf durch den Neuschnee, tief durch den durchfeuchteten Altschnee…und mit Steinen durchsetzt. Viele Skibeläge gingen drauf, viel wurde geflucht auf der Strecke. Genau die schwierigen Abfahrten waren es dann zu guter Letzt aber, die einen Österreichischen Doppelsieg auf der langen Strecke brachten: Alex Fasser und Michi Essl konnten sich jeweils auf den letzten Anstiegen durchsetzen und brachten damit eine eindeutige Bestätigung ihrer hervorragenden Saisonergebnisse und ihrer heuer errungenen Staatsmeistertitel. Die Plätze bei den Herren belegten Nejc Kuhar (SLO, 2.) und Allessandro Follador (ITA, 3.). Bei den Herren war es Barbara Gruber auf Platz 2, Judith Grassl auf Platz 3.
Die kurze Distanz war für fest in deutscher Hand: Seppi Rottmoser gewann in bestechender Manier bereits zum 3. Mal in Serie diese Distanz am Dachstein!. Auf dem Fuß folgte sein Teamkollege Philipp Reiter, danach allerdings schon – höchst erfreulich – mit Philipp Brugger (ÖAV Zweig Innsbruck) der erste Österreicher. Die Damenwertung gewann eine alte Bekannte, Renate Schwab (Team Sport Lichtenegger) vor Rosemarie Pötzelsberger und der sensationellen (erst 14-jährigen, mit dem Papa als Begleitung unterwegs!) Ina Forchthammer (Riap Sport).
Kaum war das Rennen vorbei und wurde für die Siegerehrung aufgebaut, fing es an zu schneien. Vor und für die Dauer der Siegerehrung dann wieder Sonnenschein, danach wieder schlecht. Wir hatten echt das Gefühl, dass wir wettertechnisch ziemliche Hilfe von oben hatten….
Resümee aus organisatorischer Sicht: ein tolles Rennen, Zuschauer- und Teilnehmer waren zufrieden, auch wenn von beiden etwas mehr nicht geschadet hätten…die schlechte Wetterprognose hatte offenbar viele abgeschreckt. Die Gesamtheit der Veranstaltung war super, die Kooperation mit den Partnern Planaibahn, dem TVB Ramsau und der Ferienregion Schladming Dachstein vorbildhaft. Die Sponsoren Pieps, Bergans und Bodytherm waren ebenfalls intensiv am Erfolg der Veranstaltung beteiligt….sie waren jeweils vor Ort und arbeiteten aktiv mit, den Athleten und VIP’S etwas zu bieten. So hatte Bodytherm einen eigenen Truck mit Massage und Wärmekabine vor Ort (der übrigens rege genutzt wurde), und Pieps punktete mit einem Suchfeld, in dem jedermann die LVS Suche ausprobieren konnte. Die Helfer der Aufbaumannschaft, die Anmeldedamen und die Bergretter, die als Streckenposten unterwegs waren, sie alle leisteten perfekte Arbeit – ein herzliches DANKESCHÖN an alle! Das größte Lob gilt allerdings sicher den verantwortlichen Bergführern, die in den Tagen vor dem Rennen die Nerven behalten hatten und trotz aller negativen Vorzeichen die Voraussetzungen für ein gelungenes Event geschaffen haben.
Resümee aus sportlicher Sicht: Unsere Österreicher werden immer besser, wie es ausschaut…die Abstände zur Spitze werden kleiner, mannschaftlich sind die Österreicher super stark. Auffällig auch, dass speziell die jungen immer besser werden…das passt auch ins internationale Bild.
So, mit dem Dachstein Xtreme ist nun die nationale Saison vorbei. ASTC und DAV Skitourencup haben ihren Abschluss gefunden. Nun geht’s noch zu drei Weltcuprennen…
Hier geht’s zur Ergebnisliste Eine Bildergalerie folgt morgen Die ASTC-Gesamtrangliste folgt in den nächsten Tagen, ebenso wie die DAV Skitourencup Gesamtrangliste
Grundsätzlich ein super Rennen, aber einige Dinge sind zu hinterfragen: € 40,-- für die gebotenen Gegenleistungen sind recht elitär. Bischofshofen und Rofan etc. zeigen, dass es auch anders geht. 3. und 4. Anstieg verkürzen und direkte Abfahrt wieder hinunter, viele hätten es Euch gedankt, vor allem diejenigen, die sich Ihr Material selbst kaufen (mein Schi hat keinen einzigen Kratzer). Prozedere bei der Maut hätte auch im Vorfeld geklärt werden können, den diese Abzocke (€ 5/ Begleitperson ist eine Frechheit; was war die Gegenleistung des Sponsors "Dachsteinseilbahn") Wie schon eingangs erwähnt: Ich gebe hier nicht nur meine Meinung wieder, aber Kritik hinter vorgehaltener Hand ist nicht produktiv.
Ich darf mich als Verantwortlicher der Veranstaltung zu den drei angeführten Punkten äußern:
1.) Startgeld/Gegenleistung Durch die notwendige Veränderung der Strecke mag der Eindruck entstehen, dass der Aufwand für die Organisation geringer ist als geplant. Ist er aber leider nicht, denn sowohl die Bergführer als auch die Bergrettungsmänner sind in erklecklicher Anzahl unterwegs und müssen bezahlt werden. Die Vorbereitungsarbeiten durch zahlreiches Personal sind ebenfalls eher größer als kleiner. Auch der organisatorische Aufwand ist keineswegs geringer, sei es in der planerischen Vorbereitung oder in der Aufbereitung für Presse und Meinungsbildner. Von Preisgeld und Sachpreisen ganz zu schweigen. Natürlich ist auch die im Startgeld inkludierte Maut an der Straße nicht zu vernachlässigen. Und schließlich ist beim Dachstein Xtreme jeder Teilnehmer mit ASKIMO-Lizenz auch bergeversichert. Das Startgeld ist mit EUR 40,-- keinesfalls klein, allerdings war es das auch schon nicht anno dazumal 2002, denn seit daher gibt es bei den größeren Rennen der ASTC Rennserie dieses Startgeld…damals gabs sogar eine Nachnenngebühr mit EUR 50,--. Und damals waren unsere Rennen bei weitem nicht da, wo sie jetzt sind…. Alles in allem also ein Betrag, der keinesfalls geschenkt, aber einer Veranstaltung wie dem Dachstein Xtreme sicher angemessen ist. Bei kleineren Rennen, wie ich sie ja auch persönlich ebenfalls veranstalte, ist ein kleineres Startgeld bis zum Gratisstart durchaus OK...je nach Zielsetzung, Gegenleistung und Aufwand.
2.) Abfahrten Ja, es war heuer extrem schwierig abzufahren. Aber glaub mir, wir haben in den Tagen zuvor extrem geschwitzt, wie das Rennen hinzubringen ist. Oben war es nicht möglich, unten ist den Bergführern der Schnee unter den Skiern zerronnen. Eine Strecke mit 1.400 Höhenmetern ist eh schon grenzwertig nach unten, hier nochmals Höhenmeter rauszunehmen kaum im Sinne des Sports. Die Skidiskussion hatten wir bereits im Jahr 2006, damals oben am Gletscher…ich darf heute das gleiche sagen wie damals: wichtig ist, dass es eine Strecke gibt, auf der keine Verletzungen passieren, die auf das schlechte Gelände zurückzuführen sind. Beschädigte Ski gehören aber leider ab und zu zum Rennsport dazu, eine 100%ige Absicherung dagegen gibt es nicht, auch wenn die Spurmannschaft immer alles möglich versucht, die Abfahrten so zu wählen, dass die Beläge ganz bleiben.
3.) Maut Die Mautstraße ist im Besitz der Ramsauer Verkehrsbetriebe (RVB), nicht der Dachsteinseilbahn. Auch nicht dem Ramsauer TVB, der ja in der Organisation mit dabei war. Die RVB sind eine eigenständige Gesellschaft, mit der wir ausgehandelt haben, dass alle Rennläufer mit Startnummer gratis die Straße benutzen dürfen. Damit war derselbe Stand der Dinge hergestellt wie wenn der Start oben am Gletscher gewesen wäre, denn dann wären alle Starter mit der Seilbahnkarte kostenlos durch die Maut gekommen. Ich hoffe, das hat auch so funktioniert?
Richi, ich hoffe, Dir und anderen damit eine ordentliche Antwort gegeben zu haben. Wenn’s noch Fragen gibt, bitte immer nur heraus damit!
PS: das auf dem Bild bist übrigens Du, wie Du die Kratzer im Belag grad vermeidest!